Leben ist Veränderung

Leben ist Veränderung

Leben ist Veränderung - freiwillig aufgeben keine OptionLeben ist Veränderung. Das gilt auch in der dritten Lebensphase. Wir sollten aber auch nicht freiwillig aufgeben, was unser Leben bisher bereichert hat. Es erneut zu aktivieren, ist mühsam und oft auch gar nicht mehr möglich.

Als meine Freundin Johanna 75 Jahre alt wurde stand ein Umzug an. Ihre Kinder hatten für sie eine zentral gelegene Wohnung gefunden, mit gutem Zuschnitt, einem Balkon und sogar mit Anschluss an die öffentlichen Verkehrsmittel. Eigentlich hätte alles gut werden können.

Doch Johanna vergrub sich in ihre neue Wohnung. Sie sichtete monatelang alte Korrespondenzen, Fotos, Bücher und vergaß, die Kontakte zu Freundinnen aufrecht zu erhalten. „Das mache ich, wenn ich damit fertig bin.“ Mein Rat, doch wenigstens einmal die Woche mit ihnen zu telefonieren, schlug sie in den Wind.

Doch als es soweit war, hatte Johanna sich verändert. Sie traute sich nicht mehr allein in die Bahn zu steigen, um die paar Kilometer zu einer ihrer Freundinnen zu fahren. Sie zweifelte, ob diese noch mit ihr zu tun haben wollten. Ihr Alltag war in eine so enge Struktur geprägt, dass jede Änderung, jeder Termin sie total nervös machte und sie so lieber darauf verzichtete.

Mich machte diese Entwicklung sehr traurig. Ich hatte Johanna als eine aktive, dem Leben zugewandte und allem Neuen aufgeschlossene Frau kennengelernt. Sie war mein Vorbild gewesen. Uns trennten 17 Jahre, so wie sie wollte ich älter werden. Das war nun nicht mehr der Fall, doch habe ich aus ihrer Situation einiges gelernt.

Fähigkeiten brauchen Übung

Fahrrad fahren, so sagt man, verlernt man nicht. Die Grundfertigkeiten wohl nicht, aber die Geschicklichkeit und die Sicherheit im Verkehr wird abnehmen, wenn man nicht ständig in Übung bleibt. Auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wird schwinden. Noch mehr gilt das für die geistigen Fähigkeiten. Wenn wir diese brach liegen lassen, gerät vieles in Vergessenheit: „Wie ging das nochmal?“

Freundschaften wollen gepflegt werden

„Lass auf dem Weg zum deinem Freund kein Gras wachsen“, so lautet ein Sprichwort. Und Gras wächst, wenn wir den Weg nicht gehen. Der Faden zu Freunden wird dünner, je weniger Kontakt wir haben, bis er eines Tages ganz reißt. Das muss nicht bei allen Freundschaften zutreffen, manche halten auch, wenn man sich lange nicht sieht. Doch darauf verlassen sollte man sich nicht. In dieser umtriebigen Zeit, in der zusätzlich die räumliche Distanz persönliche Besuche vereitelt, bleibt doch die Möglichkeit, mit einem Anruf, einer Email oder einer elektronischen Nachricht kurz anzudocken: „Wie geht es dir? Was machst du? Ich denk an dich:“ Wir müssen nur den Spieß umdrehen und uns fragen, ob wir uns über solche kleine Zeichen nicht freuen würden. Denn regelmäßiger Kontakt stärkt die Verbundenheit.

Flexibilität und Spontaneität entstehen durch Wandel

Wer vieles auf die Reihe bringen muss, schafft auch viel. Das ist nicht nur meine eigene Erfahrung, das beobachte ich auch in meinem Umfeld. Im Gegensatz dazu die Menschen, deren Alltag im immer gleichen Muster abläuft: Sie vergessen auch den einen Termin in der Woche. Je weniger wir uns neuen Herausforderungen, neuen Rhythmen stellen, desto schwerfälliger werden wir. Es geht nicht darum, das ganze Leben immer wieder neu zu erfinden, doch in einigen Bereichen haben wir immer die Möglichkeit: Wir können neue Gerichte ausprobieren, andere Menschen treffen, uns mit unbekannten Themen auseinandersetzen oder etwas Neues lernen. Geben wir Dinge nicht freiwillig auf, um sie später wieder zu aktivieren. Das funktioniert nicht oder nur schwer. Wir sollten uns nicht einreden, dass wir im Alter eingeschränkt sind, sondern lieber den Gegenbeweis antreten, was auch in der dritten Lebensphase (noch) möglich ist. Damit tun wir uns selbst den größten Gefallen. Das Leben ist Veränderung, Veränderung heißt Lebendigkeit.

Geist und Körper wollen trainiert werden

Wussten Sie, dass der Körper ab dem 30. Lebensjahr bis zu ein Prozent Muskeln pro Jahr abbaut? Bis zum 80. Geburtstag reduziert sich die Muskelmasse um 40 Prozent. Muskeln halten unser Knochengerüst zusammen, sie helfen, die Balance zu halten, was wiederum Stürze verhindert. Auch wenn Sie längere Zeit keinen Sport gemacht und sich auch sonst im Alltag wenig bewegt haben, ist es nie zu spät, dieser  Entwicklung entgegenzuwirken. Ähnliches gilt für den Geist. Auch wer muss, soll er aufnahmefähig und aktiv bleiben, gefordert werden. Sudoku und Kreuzworträtsel reichen dafür nicht aus: Etwas Neues lernen, sich mit unbekannten Themen beschäftigen oder Lösungen für ein kniffliges Problem suchen, das ist der Weg.

Lesen Sie auch Verschieben Sie Ihre Träume nicht
Ideen, neues auszuprobieren, finden Sie in diesem Buch
Das Video dazu:

Foto: privat
Glücklich leben

Glücklich leben

Glücklich leben - Ein BuchUm glücklich zu leben, braucht es weder einen Lottogewinn noch die Aussicht, auf Dauer nicht mehr arbeiten zu müssen, sondern vor allem eins: die Möglichkeit, über das eigene Leben selbst bestimmen zu können.

Doch davon sind wir heute oft weit entfernt.  Wir merken nicht, dass wir ein Leben führen, das nicht unseren eigenen Wünschen und Bedürfnissen entspricht. Die Steigerung von Druck und Tempo kommt nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich unmerklich. Wir halten für normal, was uns krank macht, und leben vom Autopiloten gesteuert, bis unser Körper ein energisches Veto einlegt. Dann, aber meist erst dann, erkennen wir, dass wir etwas ändern müssen.

Die Zutaten des Glücks

Ein glückliches und erfüllendes Leben setzt die Balance aller Lebensbereiche voraus, denn sie beeinflussen sich gegenseitig wie kommunizierende Röhren. Wer Erfolg am Arbeitsplatz hat, geht mit Schwung in die Beziehung, wer seinen Körper fit und gesund hält, hat Kraft genug, sich nach Feierabend auch noch seinen Hobbys zu widmen. Die Freude daran fließt zurück in den Kontakt zu anderen Menschen und lässt in der Gemeinschaft neue Pläne und Vorhaben entstehen.

Sich bewusst zu werden über das eigene Leben bedeutet, sich alle Bereiche genauer anzusehen.

  • Arbeit / Beruf
  • Körper / Gesundheit
  • Seelisches Wohlergehen
  • Das Zuhause
  • Freunde
  • Die finanzielle Situation
  • Sexualität
  • Spiritualität
  • Menschen, die einem sehr nahe stehen

Das Buch

Mit Hilfe dieses Buches, den Fragen und Impulsen, finden Sie Ihre eigenen Antworten und können überprüfen, wie ausgewogen Ihr Alltag ist und zu welchen Entwicklungen Sie ja sagen können und wo Kurskorrekturen nötig sind. Und ob die Art, wie Sie leben, tatsächlich dem entspricht, wie Sie leben wollen.

 

Und nicht nur das. Sie erhalten Anregungen, welche Schritte nötig und möglich sind, gewünschte Veränderungen anzugehen und umzusetzen. So wird das kommende Jahr zu einem guten Jahr, einem Jahr in Ihrem Sinne, sei es zum Jahreswechsel oder auch nach dem Geburtstag.

Die Rückmeldung einer Leserin: “Ich finde das Reinschreibbuch sehr gelungen. Es ist schlicht und einfach und ganz bestimmt ein tolles kleines Geschenk zum Geburtstag, zum Jahreswechsel oder in einer Phase persönlicher Veränderungen.”

Ursula Kraemer
„Kein Jahr wie das andere – Leben wie ich es will”
4. Auflage 2018 . 140 S.
ISBN-13: 978-3839199367, 12,90 EUR

Im lokalen Buchhandel und online bei BOD oder Amazon

Wir sind Zeit-Millionäre

Wir sind Zeit-Millionäre

Ursula Kraemer - Zeit-MillionäreDieses Interview führte Heike Lander im August 2020 mit. Er ist auch auf ihrer Website nachzulesen: Wir sind Zeit-Millionäre“

Ursula Kraemer hat mich als Gründungscoach in die Selbstständigkeit begleitet. Für mich war diese Entscheidung ein Glücksfall, konnte ich doch nicht nur von ihrem Wissen profitieren. Sie ist eine sprudelnde Quelle an Lebensfreude, Mut und Inspiration. Allein im letzten Vierteljahrhundert hat Ursula Kraemer mehr gemacht als viele Menschen in ihrem ganzen Leben. Und so handelt das folgende Gespräch nicht nur von ihren Abschieden und Neuanfängen, sondern insgeheim davon, wie man es schafft, um mit 72 Jahren so zu sein wie sie.

Ursula, Du hast Dich erst mit 50 selbstständig gemacht. Das war vor 20 Jahren noch ungewöhnlicher als es das heute ist. Was waren die Hintergründe, in was für einer Lebenssituation warst Du damals?

Ich war lange Jahre Forschungsangestellte an der Hochschule. Danach habe ich mich bewusst für eine Familienphase entschieden: Mit 32 Jahren das erste Kind bekommen, mit 38 das dritte. Irgendwann fing ich an, nebenher Kurse zu geben, und als sich abzeichnete, dass ich mich von meinem Mann trennen würde, stellte sich die Frage: Womit verdienst Du Dein Geld? Alle Kinder wollten mit zu mir. Ich stand auf dem Sprungbrett, ohne zu wissen, ob unter mir Wasser sein würde. Ein Jahr lang habe ich Akquise gemacht, telefoniert, Briefe geschrieben, ehe ich das Gefühl hatte: Jetzt kannst Du springen. Einfach war das nicht, ich musste richtig buckeln. Aber es war meine Entscheidung. Und ich hatte keinen Chef.

Wie hat Dein Umfeld reagiert? Hast Du eher gehört, das sei zu riskant, oder  hat man Dich ermuntert?

Eher das erstere. Meine Eltern lebten damals nicht mehr, die hätten mich sicher gewarnt. Und nicht alle aus meinem Umfeld konnten nachvollziehen, wie das Leben als Selbstständige ist. Ich hatte anfangs auch echte Probleme, Räume zu finden. Eine geschiedene Frau mit drei Kindern, das alleine war schon schwer, und noch dazu konnten sich vor 20 Jahren nur wenige vorstellen, was ein Coach so macht. Ein Vermieter fragt  mich, ob ich bei meiner Arbeit auch Herrenbesuch hätte und die Räume sehr abgenutzt würden. (lacht) Die Wohnung habe ich nicht gekriegt.

Zumindest so etwas erleben Gründerinnen nicht mehr.

Nein, das nicht. Früher war man die Rabenmutter, heute wird man als Hausmütterchen abgestempelt, wenn man als Frau nach einer Geburt nicht ganz schnell wieder zum Haushaltseinkommen beiträgt. Ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass Frauen das, was sie machen wollen, machen können, aber ich finde es furchtbar, auf welchen Druck das hinausläuft. Ich möchte die fünf Jahre zuhause mit meinen Kindern überhaupt nicht missen. Ich wünschte mir sehr, dass wir in einer Gesellschaft leben könnten, in der auch dies wieder akzeptiert wäre.

Ursula Kraemer in unserem Garten

„Ich habe die Freiheit, Dinge zu tun“

Wie haben sich berufliche Schwerpunkte entwickelt?

Meine Coachingausbildung und die ersten Jahre waren stark auf Unternehmen, also die Beratung von Führungskräften ausgerichtet. Dann kamen Privatkunden. Ein weiterer Schwerpunkt ergab sich aus der Arbeit in der Arztpraxis meines Mannes, wo ich feststellte, dass Themen wie Mitarbeiterführung oder Patientenzufriedenheit für Ärzte Fremdworte waren. Allerdings hörte ich sehr oft: Bei mir ist das kein Thema, aber ich kenne fünf Kollegen, die solch eine Beratung nötig hätten. Bei Kliniken war das anders. Und so war ich in ganz Deutschland auf Seminaren unterwegs, bis ich mir irgendwann sagte: Das war`s.

War das auch der Moment, in dem Du Das Thema Ruhestandcoaching für Dich entdeckt hast.

Ja, genau. Ich hatte zuvor schon begonnen, Seminare abzugeben. Aber was sollte ich ohne diese Termine und Begegnungen machen? Ich bin dann in den Chor gegangen, war im Fotoclub, ging tanzen. Der andere Grund war: Ich hatte mir vorgenommen, dass ich alles, was ich weiß, noch irgendwie unter die Leute bringen will anstatt es im Keller zu verschließen. Und so fing ich vor zehn Jahren mit dem Bloggen an.

Mit 62 Jahren – Respekt!

Zunächst entstand der Blog selbstbewusst-werden, weil der sich als Dach für alle meine Coachingthemen anbot. Der 50plus-Blog ist dagegen aus purem Trotz entstanden, weil es mich so genervt hat, wie Menschen ab einem gewissen Alter in den Medien dargestellt wurden. Der Tenor war: Die sind alle dement. Ich dachte: Das kann’s nicht sein.

Und der Blog hat am meisten Leser derzeit, hast Du mir mal erzählt.

Ja, Themen wie mit „Mit 50 Geburtstag feiern“, „Alleine in Urlaub fahren“ oder der Ruhestand sind sehr beliebt. Ich habe auch schon geschrieben, wie Unternehmer ihren Ruhestand vorbereiten.

„Viel reisen und ein bisschen Italienisch lernen ist zu wenig“

 Du selbst bezeichnest Dich ja nicht als Ruheständlerin, sondern als „Freifrau“. Was ist der Unterschied?

Der Begriff stammt von einer österreichischen Freundin und meint: Ich habe die Freiheit, Dinge zu tun. Mit Ruhestand verbindet man einen harten Schnitt, irgendein Ende, als Freifrau kann ich in alle Richtungen schauen und alles Mögliche machen. Mein Partner sagt immer so schön: Wir sind Zeit-Millionäre.

Wofür brauchen Menschen in dieser Lebensphase Beratung?

Vor allem Männer leben eher eindimensional, ziehen ihren Selbstwert und auch ihren Bekanntenkreis primär aus dem Job, während Frauen über einen Blumenstrauß an Kontakten und Aktivitäten verfügen. Umso wichtiger wäre es, sich frühzeitig mit dem Abschied aus dem Beruf auseinanderzusetzen. Ich kann mir keinen Freundeskreis aufbauen, wenn ich in Rente komme. Ich sollte mich stattdessen früher, am besten drei Jahre vorher, darauf besinnen, was mir Freude macht, welche Leute ich kenne, was ich immer schon mal machen wollte. Viel reisen und ein bisschen Italienisch lernen ist auf Dauer zu wenig. Der Mensch braucht einen Sinn im Leben, und den muss man früher suchen. Gerade viele Männer haben aber den Zugang zu diesen Themen schon verloren. Da muss man lange graben und dann einiges ausprobieren.

Dazu gehört auch die Frage, was man weitergeben möchte, über die wir auch im Kontext meiner Arbeit gesprochen haben.

Ich habe zum Beispiel den Familienstammbaum aufgefrischt und anschließend für die Enkel Porträts von insgesamt zehn Familienangehörigen geschrieben. Und für meine Kinder habe ich ein Fotobuch gemacht: „Glückliche Zeiten“ heißt es, und hier habe ich dokumentiert, dass mein Mann und ich in den 30 Jahren vor der Trennung ein Paar waren und dass unsere Kinder Kinder der Liebe sind – und nicht von Scheidungseltern.

Einige Menschen erleben die Zeit nach dem Beruf dagegen als Verlust: Verlust an Sinn, Verlust an Bedeutung, Verlust an Kontakt mit der Welt. Fast wie ein vorweggenommer Abschied vom Leben …

Einsamkeit ist ein großes Thema. Ich plane dazu einen Kurs, und bei meinen Recherchen ist mir aufgefallen, wie viel gejammert wird, wie viele in dieser Situation verhaftet sind. Immer geht es nur darum, was die andern tun könnten oder sollten – aber man muss auch wollen! Sicher, manchmal brauchen Menschen zunächst eine Therapie, ehe sie das umsetzen können, aber ich freue mich über jeden Kunden, dem ich bei der Suche helfen kann.

Wie gehst Du dabei vor?

Ein Coach fragt immer mit W-Fragen. Er sagt nicht: Jetzt nicht, gibt`s nicht, sondern fragt: Was muss man tun? Wen kennt man? Wie geht‘s? Ich erinnere mich an einen Klienten, dessen Jugendtraum die Archäologie war. „Aber das geht ja jetzt nicht mehr“, sagte er zu mir. Ich habe ihn überredet, mit mir danach zu suchen, wo es so etwas gibt. Und auf der Schwäbischen Alb gab es eine Gruppe, die Ausgrabungen macht, und er durfte mitmachen. Dafür ist es nie zu spät. Es gibt ein tolles Fotobuch von Paula Lanfranconi und Ursula Markus, das lauter Porträts von Menschen zwischen 75 und 100 Jahren enthält, die ihr Ding gefunden haben. Da steht da zum Beispiel eine 100-Jährige mit Gummistiefeln und Gießkanne in ihrem Garten und sagt: „Wenn ich das nächstes Jahr noch machen kann, ist es toll.“ Daraufhin habe ich angefangen, Zeitungsartikel solcher Beispiele zu sammeln – und recht viele gefunden, die im Alter noch sehr aktiv sind. Man darf sich nicht freiwillig klein machen und aufhören.

„Meine Energie entsteht im Tun“

Warum eigentlich nicht?

Na, weil man dann schrumpft! Meine älteste Freundin, die 20 Jahre älter war als ich, ist vor einigen Jahren gestorben. Ich hatte sie immer  bewundert, für ihre Aktivität, ihren Stil, und dann zog sie eines Tag es um. Sie beschloss daraufhin, ihre Sachen zu ordnen, und war nur noch damit beschäftigt. Wenn Du etwas aufhörst, ist die Gefahr groß, dass es wegbleibt.

Ist das die Energie, die Dich antreibt? Du hast fünf Bücher geschrieben, betreibst drei Webseiten, zwei Blogs und hast auf Deinem eigenen YouTube-Kanal 40 Videos veröffentlicht.

Jedenfalls entsteht meine Energie im Tun. Je weniger ich tue, umso schlaffer werde ich, je mehr ich tue, desto mehr Power habe ich. Und ich habe noch so viele Ideen, dass ich nur hoffe, dass ich lange genug leben kann.

Aber gibt es nicht auch Menschen, die einfach lebenssatt sind und sich bewusst zurückziehen? Bei Deiner Freundin klingt es für mich zumindest so, als hätte sie vorher einen großen Schluck vom Leben genommen.

Kann sein, dass ich mit 85 auch so denke. Sie ist sehr spannend gestorben. Zum Schluss war sie in einem Seniorenstift, und dort verliebte sie sich noch einmal. Am Nachmittag vor ihrem Tod war sie mit ihrem Freund tanzen …

Ein Tumor namens Hermann

Dir kam vor einigen Jahren der Tod auch bedrohlich nahe. Das zu sagen, ist nicht indiskret, weil Du auch über Deine Brustkrebserkrankung ein Buch geschrieben hast. Darin stellst Du „positive Bewältigungsstrategien“ vor. Was heißt das?

Anders als man denken könnte, habe ich nicht nur die positive Seite angeschaut, sondern wie immer im Leben auch den Worst Case: Was kann schlimmstenfalls passieren? Was kann ich dann tun? Kann ich verhindern, dass es so schlimm wird? Ich betrachte also auch den Fall, dass ich nicht mehr sehr lange zu leben habe. Also habe ich die Formalia erledigt: Verfügungen, Passwörter, Bestimmungen zu meiner Beerdigung. Mit dieser Mappe war das erledigt. Zum Worst Case zählte auch der Gedanke, dass sich womöglich auch Freunde von mir distanzieren, weil sie mit meiner Erkrankung nicht umgehen können oder wollen. Das letzte Stück Weg wird bestimmt nicht witzig, dachte ich mir. Auf der anderen Seite konnte ich mich damit stärken, alle gute Nachrichten und Hoffnungszeichen zu notieren: Sätze von Ärzten oder Diagnoseergebnisse zum Beispiel. Und auch hier fragte ich mich, was ich beitragen kann, etwa über eine gesunde Ernährung.

Und Du hast Deinem Tumor einen Namen geben…

Ja, Hermann! (lacht) Das war eine Eingebung, der Name war plötzlich da.

Und wie es im Untertitel Deines Buchs heißt: Irgendwann erhielt Hermann die Räumungsklage.

Dieses Bild vom lästigen Mieter war mein Grundgedanke. Als ich die Chemotherapien verabreicht bekam, dachte ich: „Hermann, jetzt kriegste wieder ‚ne Breitseite!“ Als man im MRT Sprengsel fand, sagte ich mir: „Oh Gott, der hat auch noch Familiennachzug bestellt – jetzt reicht`s aber!“ Und jetzt sage ich mir: Ich weiß, dass Brustkrebs zurückkommen kann, aber ich habe beschlossen, mir davor keinen Kopf mehr zu machen. Und wenn es soweit wäre, wäre es auch nicht das Ende der Fahnenstange – aber wer sagt, dass er überhaupt wiederkommt?

„Was jetzt kommt, ist Zugabe“

Hat diese Zeit Deine Haltung zum Leben verändert? Du wirkst auf mich nicht so, als hättest Du Nachholbedarf – weder an Lebenslust noch an Selbstreflektiertheit.

Es ist doch schade, wenn erst eine Krankheit dazu führt, dass man sein Leben ändert, oder? Es gibt da diesen schönen Spruch: „Geh Du vor, sagte die Seele zum Körper, auf mich hört er nicht. Ich werde krank werden, sagte der Körper zur Seele, dann hört er auf Dich.“ Was mich angeht, kann ich nicht sagen, dass sich durch die Krankheit viel verändert hat. Bei meinem Partner, der ebenfalls Krebs hatte, war das ganz anders. Er ist Musiker uns sagt seitdem: „Alles, was jetzt kommt, ist Zugabe.“

Und als Musiker weiß er, was das heißt.

Dass man jetzt das spielen kann, was man will! Und Zugabe gibt es nur, wenn es einem vorher gefallen hat.

Herzlichen Dank, liebe Ursula für dieses schöne Gespräch! Wer jetzt neugierig geworden ist und mehr über Ursula Kraemer wissen möchte: www.navigo-coaching.de

Wer sich in den Ruhestand begleiten lassen möchte oder ein anderes Coachingthema hat, möge mir gerne schreiben. Ihre Nachricht unter Kontakt erreicht mich auf alle Fälle.

Foto Sonnenblume: Ursula Kraemer privat
Foto Portrait Ursula Kraemer: Heike Lander

Wie Sie immer was zu lachen haben

Lachen wirkt anziehend und verbindet. In der Gegenwart fröhlicher Menschen hält man sich gerne auf, weil ein herzliches, aufrichtiges Lachen dem Körper und der Seele gut tut. Wir entspannen, lösen den Stress und blicken optimistisch in die Zukunft. Gute Laune und Lachen wirken ansteckend. Doch statt einem fröhlichen Spruch auf den Lippen, macht sich mit den Jahren in Paarbeziehungen leider sehr oft der Ernst des Alltags breit. Je älter wir werden und je länger eine Beziehung dauert, umso mehr schleicht sich die Fröhlichkeit davon.

Humor in einer Beziehung heißt nicht, über den anderen zu lachen oder sich über ihn lustig zu machen. Humor in einer Beziehung heißt, über die gleichen Dinge lachen zu können. Und herauszufinden, welche Dinge das sind.

Perspektivenwechsel: Sich gegenseitig die lustigen Dinge erzählen

Was erzählen Sie Ihrem Partner beim abendlichen Austausch von Erlebnissen? Betonen Sie die Probleme, ereifern Sie sich über das unmögliche Benehmen Anderer? Wie wäre es, wenn Sie sich vornähmen, einmal die besonders lustigen Dinge zu erzählen, damit sie gemeinsam was zu lachen haben? Der positive Nebeneffekt wird sein, dass Ihnen mehr Lustiges passiert. Das könnte aber auch daran liegen, dass Sie einfach mehr auf solche Situationen achten. :-)

Lustige Geschichten lesen und Videos anschauen

Wenn der Alltag grau in grau erscheint und tatsächlich die Sorgen überwiegen, heißt das noch lange nicht, auf ein Lachen verzichten zu müssen.  Ihre Laune lässt sich auch auf andere Weise steigern. Legen Sie sich einen Fundus an humorvollen Geschichten und witzigen Filmen zu. Ein nur Ihnen bekanntes Codewort ist dann der Auftakt für gemeinsame heitere Stunden. „Wir sollten heute Abend mal wieder …einladen.“ (An die Stelle der Pünktchen setzen Sie den Namen Ihres Lieblingskabarettisten oder den Helden Ihres bevorzugten Films).  Ihre Probleme werden zwar nicht verschwinden, aber doch für einige Zeit in den Hintergrund treten. Und das ist doch auch schon was.

Eigenheiten des Partners mit Humor nehmen

Mit den Jahren kennt man sich immer besser. Man weiß um die Schwächen und Marotten des Partners und nimmt sie gern aufs Korn. Kommentieren Sie diese aber nicht mit beißendem Spott oder in herabsetzender Weise – schon gar nicht vor anderen. Ein solcher Humor ist verletzend. Auch wenn Sie hundert Mal am Tag über die gleichen Eigenschaften lästern, wird sich Ihr Partner vermutlich nicht ändern. Da ist es doch besser, nachsichtig zu bleiben und das, was in Ihren Augen eine seltsame Angewohnheit oder Eigenschaft ist, humorvoll als Eigenheit zu nehmen. Könnte es sein, dass Sie gerade diese früher geliebt haben?

Über sich selbst lachen können

Gerne lachen wir über andere, selten über uns selbst. Dabei lässt sich manches Missgeschick besser ertragen, wenn wir es mit Humor nehmen. Auch Ihr Partner oder Ihre Partnerin wird sich mit einem Lachen leichter tun, als wenn Sie in solchen Situationen lauthals lamentieren oder sich selbst und andere beschuldigen. Nach dem ersten Schreck könnten Sie gedanklich einen Schritt zur Seite treten und die Situation von außen betrachten. Dann wird Ihnen das Komische an der Situation sicher bewusst.

Sich an lustige Begebenheiten erinnern

Erinnern Sie sich noch, wie Sie in ihrer ersten gemeinsamen Hotelnacht bei stürmischem Liebesspiel aus dem Bett gefallen sind? Und wie lauteten die urkomischen Aussprüche Ihrer Kinder, als diese das Sprechen lernten? Und die Geschichte mit dem Bierglas? Oder auch die mit den vergessenen Blumen? In jeder Partnerschaft gibt es Gegebenheiten, die Sie vielleicht damals noch gar nicht so komisch empfanden, über die Sie aber mit zeitlichem Abstand lachen können. Schwelgen Sie hin und wieder in gemeinsamen Erinnerungen. Sie sind ein starkes Bindeglied, wenn Sie beide mit Vergnügen daran denken.

Schmücken Sie Ihre Wohnung mit lustigen Bildern

Am Kühlschrank, am Badezimmerspiegel oder an der Familienpinnwand ist Platz für Fotos, Cartoons oder witzigen Sprüche. Sogar ein einfacher Smiley reicht aus, damit wir zu lächeln beginnen. Tauschen Sie die Bilder allerdings immer wieder aus. Denn wenn sie zur Gewohnheit werden, nehmen Sie sie nicht mehr bewusst wahr, die Wirkung lässt nach.

Achten Sie auf Ihre Körpersprache

Wer ‚einfach nur so‘ die Mundwinkel nach oben zieht, signalisiert seinem Gehirn, dass es etwas zu lachen gibt. Die Stimmung verbessert sich automatisch. Und was bei Ihnen funktioniert, wird auch bei Ihrem Partner Wirkung zeigen. Setzen Sie also schon am Morgen in Lächeln auf, straffen Sie die Schultern und stehen Sie aufrecht. Ein solches Gegenüber erzeugt Resonanz, ein Lächeln kommt zurück. Es wird der Beginn eines schönen Tages.

Hier noch einige Ideen, wie Sie zu mehr Humor und Lachen in Ihrer Beziehung kommen können. Manches wird Ihnen vielleicht komisch vorkommen, doch es ist eine Einladung,  das Kind in sich wieder zu entdecken und aufzuleben lassen.

  • Verschicken Sie doch hin und wieder eine humorvolle SMS
    Als ich vor Jahren während der Rückfahrt von einer Tagung an meinen Sohn die Bitte sandte, er möge doch vor meiner Heimkehr noch Milch und Katzenfutter kaufen, kam zurück: „Du hattest auch schon mal bessere Ideen für das Abendessen!“ Diese Antwort löste bei mir schallendes Gelächter aus und bei den Mitfahrern im Zug irritierte Gesichter.
  • Sammeln Sie Witze, über die Sie beide lachen können.
    Es gibt sie wirklich, die Witze, die keine Männer oder Frauen dumm dastehen lassen oder Blondinen und Bayern zum Thema machen. Notieren Sie die, die Sie immer wieder zum Lachen bringen.
  • Achten Sie bei einer Autofahrt auf die Autokennzeichen
    und sehen in ihnen eine lustige Abkürzung. Sicher kennen Sie herabsetzende Bezeichnungen für die Autofahrer anderer Regionen, doch sicher fallen Ihnen auch spaßige Bedeutungen dazu ein.
  • Vergeben Sie persönliche Bezeichnungen und Namen
    Ganz gleich, ob Sie für Ihren Partner einen  Kosenamen finden oder ob Sie humorvolle Bezeichnungen haben für Ihren Chef, die Nachbarn oder den Kaufmann um die Ecke kreiieren. Niemand außer Ihnen weiß, wer das „Glühwürmchen“,  der „Terminator“ oder die “Zuckerschnecke“ ist. Hautsache, Sie wissen, wer gemeint ist. Und Sie haben etwas zu lachen.
  • Besuchen Sie ein Seminar zum Lachyoga
    Hier lernen Sie, völlig ohne Grund zu lachen und sich vom Lachen anderer anstecken  zu lassen. Das lässt sich ohne Weiteres auf den häuslichen Rahmen übertragen. Das Schöne dabei ist: Obwohl Sie über ‘nichts’ lachen, tritt die wohltuende Wirkung des Lachens genau so ein, wie wenn Sie einen Grund hätten.
  • Üben Sie mal gemeinsam einen Zungenbrecher, wie z.B.

             Ein chinesischer Chirurg schenkt tschechischen
             Skifreunden frischgebackene Shrimps –
             frischgebackene Shrimps schenkt ein chinesischer
             Chirurg tschechischen Skifreunden.

 

Ich wünsche Ihnen allzeit viel Spaß!

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Fotografieren – Die Welt mit anderen Augen sehen

Fotografieren – Die Welt mit anderen Augen sehen

 

Die Zahl ist gigantisch: Seit es die digitale Fotografie gibt, werden allein in Deutschland  pro Monat mehr als 2 Milliarden Fotos geschossen. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um Reisebilder und Schnappschüsse, die entweder auf dem heimischen Computer gespeichert oder auf Plattformen wie Facebook hochgeladen werden. Doch das Fotografieren kann mehr sein die aus der Hand geschüttelte Dokumentation des Augenblicks und die Befriedigung der Sammelleidenschaft. Wer sich auf die Suche macht nach den Besonderheiten, die dem normalen Beobachter entgehen, findet ein befriedigendes Hobby und lernt, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Knipsen Sie noch oder fotografieren Sie schon?

Besonders im Sommer kann man Urlauber sehen, die schnell aus dem Auto oder dem Bus austeigen, einen kurzen Blick in die Runde werfen und mit ausgestreckten Armen ihre Kamera auf die im Reiseführer gelobte Aussicht oder die Sehenswürdigkeit des jeweiligen Ortes richten. Ein Klick, das Bild ist in der Tasche und kann mit nach Hause genommen werden. Die Fahrt geht weiter.

Wenige prüfen durch den Sucher ihres Fotoapparats den Bildausschnitt, suchen einen anderen Standort, ändern die Kameraeinstellungen oder nehmen gar für eine ungewöhnliche Perspektive ungewöhnliche Positionen ein, bevor sie abdrücken.

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