von Ursula Kraemer | Dez. 10, 2015 | Lebensgestaltung, Menschen
Schenken Sie Ihren Kindern gute Erinnerungen. Erst mehr als 15 Jahre nach der Trennung von meinem Mann wurde mir bewusst, dass sich unsere gemeinsamen Kinder vor allem an die Zeiten erinnern würden, in denen die Beziehung ihrer Eltern nicht mehr intakt war. Sie würden nichts wissen von den zarten Anfängen des Kennenlernens, von deren unbeschwerten Schul- und Studienzeiten, von den abenteuerlichen weiten Reisen, bei denen sie im Auto schliefen und die Mahlzeiten auf einem kleinen Gaskocher zubereiteten. Nichts von den Aufgaben und Herausforderungen, die die Eltern in den langen Jahren ihrer Ehe bewältigen mussten. Und wenig von den Zeiten, als aus einem Paar eine Familie wurde.
Die Erinnerung an diese Zeiten wollte ich ihnen geben. Mir lag auch daran, dass sie sich nicht in erster Linie als Scheidungskinder sahen, sondern als Kinder der Liebe, die sie waren. Die Idee zum Fotobuch „Glückliche Zeiten“ war geboren.
1. Die Vorarbeiten
Zunächst erstellte ich eine chronologische Liste wichtiger Lebensereignisse. Was sollte im Fotobuch Platz finden? Dieser Liste entsprachen die Ordner auf dem PC. Das sah so aus:
1_Schule 2_Studium 3_Reisen 4_Hochzeit 5_Erstes Kind 6_Zweites Kind 7_Drittes Kind 8_Hausbau ……
Die Zahlen vor den Schlagworten hatten den Vorteil, dass sie in der gewünschten Reihenfolge und nicht alphabetisch sortiert wurden. So würde ich später die richtigen Fotos leicht finden können.
Dann suchte ich in alten Fotoalben nach Bildern, fotografierte sie ab und speicherte sie in den betreffenden Ordnern. Das Bearbeiten der Fotos (ich habe sie gerade gestellt, beschnitten und manches Mal auch farblich korrigiert) hob ich mir für einen späteren Arbeitsgang auf.
Die weitaus größere Arbeit war das Sichten der Dias. Aber da ich diese Aufgabe schon länger vor mir hergeschoben hatte, konnte ich nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Unzählige Diakästen wollte ich entrümpeln und nur einen Bruchteil davon aufheben und gleichzeitig diejenigen aussortieren, die für das Fotobuch eingescannt werden sollten. Nach einem gescheiterten Selbstversuch schickte ich die Dias zu einem darauf spezialisierten Unternehmen. Nur wenige Tage darauf hielt ich die Dias zurück, beigelegt die CD mit den digitalisierten Aufnahmen. Auch diese wurden in den jeweiligen Ordnern abgespeichert.
2. Das Fotobuch erstellen
Es gibt unzählige Anbieter für Fotobücher, es lohnt sich, zu vergleichen, sowohl was den Preis, aber auch die Gestaltungsmöglichkeiten angeht. Für Reisetagebücher hatte ich bereits die Software eines Anbieters auf dem Rechner und so stand dem Start nichts mehr im Wege. Ich wählte das Format des Buches aus, die Farbe des Hintergrunds der Seiten, das Cover mitsamt den Fotos, die auf der Vorderseite Platz finden sollten. Nach dieser Vorbereitung war es leicht, die Fotos einzufügen. Wenn sich herausstellte, dass ich für ein Ereignis zu wenig Platz kalkuliert hatte, war dies kein Problem: Neue Seiten ließen sich jederzeit einfügen.
Kurze Textzeilen oder auch längere Beschreibungen stellten nicht nur den Bezug zu Personen und Ereignissen dar, sondern auch zur gesellschaftlichen Entwicklung. Denn was wissen unsere Kinder und Enkel noch vom Kuppelparagraphen oder von den Folgen der Ölkrise und den Anti-Atomkraft-Demonstrationen?
3. Der Rahmen
Auf der ersten Seite schrieb ich eine Widmung, erzählte von der Motivation, dieses Fotobuch zu gestalten und meinem Wunsch, für sie – die Kinder – den ganzen Weg nachzuzeichnen, den ihre Eltern gemeinsam gegangen waren. Und davon, dass sie das größte Geschenk dieser Beziehung sind.
Die letzte Seite gehörte einem Diagramm mit den Namen der im Fotobuch erwähnten Familienmitglieder, da ich wusste, dass besonders die bereits verstorbenen Personen und die verwandtschaftlichen Beziehungen untereinander nicht immer präsent sind.
4. Der Titel
Obwohl das Fotobuch vor allem als Geschenk für die Kinder gedacht war, wurden die Auswahl der Bilder und die Gestaltung auch für mich ein besonderes Erlebnis. Es zeigte mir, wie viele schöne Momente mich mit meinem Mann verbunden hatten, für die ich dankbar sein konnte, auch wenn die Ehe nicht bis zum Tod dauerte. Ich konnte diese Zeit würdigen und wertschätzen, schließlich waren diese Jahre eine lange Spanne in meinem Leben. Und deshalb erhielt das Buch den Titel „Glückliche Zeiten“.
5. Das Geschenk
Es war ein besonderer Moment, als ich den Kindern dieses Fotobuch überreichen konnte. Sie blättern immer wieder gerne darin und ich bin mir sicher, dass auch die Enkel sich eines Tages darüber freuen. Meinem geschiedenen Mann schickte ich ebenfalls ein Exemplar, schließlich waren diese Jahre auch sein Leben.
Foto: Pixabay Vika_Glitter
von Ursula Kraemer | Apr. 21, 2013 | Lebensgestaltung, Ruhestand
Die einen freuen sich auf diesen Tag und können es kaum erwarten. Andere stecken den Kopf in den Sand und tun so, als ob alles immer so weiter ginge. Und wieder anderen ist bewusst, dass neue Zeiten anbrechen werden, und sie fürchten sich davor. Dabei wäre es gut, wenn sich alle rechtzeitig die Frage stellen würden: Wer bin ich, wenn ich nicht mehr arbeite?
Wenn das Arbeitsleben endet, fallen viele Faktoren weg, die das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein über Jahre hinweg gestärkt haben. Die Anerkennung, wenn man mit anspruchsvollen neuen Projekten und Aufgaben betraut wurde. Die Bestätigung, wenn Kollegen um Rat fragten. Der Respekt, den Kunden und Lieferanten entgegenbrachten, und nicht zuletzt das regelmäßige Einkommen, dasman als Gegenwert für die erbrachte Arbeit ansehen konnte.
Auch wenn beim Abschied in den Ruhestand die lieben Kollegen auffordern, in Kontakt zu bleiben, stellt man schnell fest, dass man von nun an einer anderen Welt angehört, einer, die man selbst gestalten darf und auch muss.
Eine eigene Zeitstruktur finden
Zunächst ist es verlockend, wenn der Wecker schweigt und keine Termine mehr den Tag zerstückeln. Man kann das Frühstück ausdehnen und sich ausgiebig Zeit nehmen für die Lektüre der Zeitung. Doch unversehens schleicht sich ein Schlendrian an. Die Stunden vergehen und am Ende des Tages fragt man sich, wo sie geblieben sind.
Jetzt ist es an der Zeit, sich eine eigene Tagesstruktur zu schaffen. Wann ungefähr wird man aufstehen, wann finden die Mahlzeiten statt, welche Fixpunkte in der Woche gibt es? Wann nimmt man sich Zeit für Sport oder Besuche, für den Sprachkurs, die Korrespondenz oder die Telefonate mit Freunden, Kindern oder Verwandten?
Die Rollen in der Partnerschaft klären
Ganz gleich, ob nur einer der Partner berufstätig war oder beide – die bisherige Aufteilung von Pflichten im Haushalt sollte nun neu besprochen werden. Setzen Sie sich zusammen und listen Sie auf, welche Arbeiten wann anstehen und wer von nun an dafür zuständig sein soll. Dies braucht keine feste Einteilung zu sein, sondern kann durchaus auch wechseln. Wenn sie mittags vom Yoga kommt, könnte er z.B. das Essen zubereitet haben. Oder Sie vereinbaren, den Wochenputz gemeinsam zu machen, um dann freie Zeit für Unternehmungen zu haben.
Weitermachen in neuer Form
Wer mit großer Motivation und Zufriedenheit im Beruf aktiv war, möchte meist den Fuß nicht ganz aus der Tür nehmen, sondern sich noch in irgendeiner Form weiter einbringen. Dies könnte ein freiberufliches Engagement sein, man könnte sich dem Senior Experten Service anschließen, Vorträge und Workshops halten oder schreiben.
In bekannten Gefilden zu bleiben ist ein sicherer Weg, denn Sie können das tun, was Sie schon immer gemacht haben. Vielleicht ist nun auch der Moment gekommen, den Arbeitsthemen endgültig Lebewohl zu sagen und etwas Neues auszuprobieren.
Unbekanntes wagen
Alte Träume mussten laufenden Verpflichtungen weichen, für sie war keine Zeit, aber oft auch keine Energie mehr. Graben Sie nach solchen Schätzen. Erinnern Sie sich, was Sie früher gerne getan haben oder an das, wovon Sie immer sagten, wenn ich mal Zeit habe…Vielleicht lässt sich Ihr Traum in Ihrem jetzigen Alter nicht mehr zu 100% umsetzen. Aber zu einem Teil bestimmt noch. Schauen Sie nicht nach den Problemen, sondern suchen Sie Wege, damit Sie später nicht sagen müssen, ich hätte es tun sollen.
Möchten Sie wissen, was noch in Ihnen steckt? Dann gehen Sie es an! Gönnen Sie sich ein Versuchsstadium. Sie gehen noch keine dauerhafte Verpflichtung ein, wenn Sie sich mit neuen Themen, anderen Ländern und Kulturen beschäftigen. Entscheiden Sie erst nach einer Weile, ob Sie dauerhaft Interesse daran haben. Aber bleiben Sie neugierig, auf andere Standpunkte, auf unbekanntes Terrain.
Lockende Ziele finden
Wer keine Ziele mehr im Leben hat, verkümmert. Es muss etwas geben, wofür es sich aufzustehen lohnt und was dem Leben Sinn gibt. Besonders schön ist es, wenn Sie etwas gefunden haben, dessen Ergebnis sie in den Händen halten können: Selbstgezogene Gurken aus dem eigenen Garten, ein kleines Büchlein, in dem Sie Familiengeschichten niedergeschrieben haben, selbstgenähte Kleidung. Oder etwas, was anderen Freude macht: Der Übermut des Hundes, den Sie aus dem Tierheim zum Spaziergang abholen oder das zärtliche Schmusen Ihrer Enkelin, wenn Sie ihr ein Buch vorlesen.
Freunde versammeln
Enge berufliche Zeitpläne, Schichtarbeit und wechselnde Einsatzorte tragen dazu bei, dass der Freundeskreis immer kleiner wird und auch familiäre Kontakte nicht mehr gepflegt wurden.
Der leichteste Schritt ist, alte Beziehungen wieder aufzunehmen und wiederzubeleben. Da auch diese Personen häufig schon im Ruhestand sind oder kurz davorstehen, werden Sie offene Türen finden. Nicht immer aber stimmen die Interessen noch überein, doch ist es ein Versuch wert, dies herauszufinden, Aber vielleicht sind sogar Freunde dabei, die sich für gemeinsame neue Aktivitäten oder regelmäßige Treffen gewinnen lassen. Oder Sie finden neue, wenn Sie einem Verein beitreten, einen Tanzkurs machen oder sich bei der Bürgerbewegung in Ihrem Viertel einbringen.
Vorbereitung und Übergang
Es ist gut, sich eine Zeit der Vorbereitung und des Übergangs zu gönnen. Wichtig dabei aber ist, die Auseinandersetzung mit den oben stehenden Fragen aktiv zu betreiben und sich nicht darauf verlassen, dass sich die Dinge schon irgendwie regeln werden.
Viele Rentner beklagen sich darüber, keine Zeit für eigene Interessen und Bedürfnisse zu haben. Immer sei etwas zu tun. Doch die Chance des Ruhestands besteht darin, endlich auf die eigene Stimme zu hören und das Leben frei von Zwängen und äußeren Anforderungen so zu gestalten, wie man es für richtig hält. Entsprechende Bücher können Ihnen ebenso Anregungen wie Tipps von aktiven Ruheständlern. Es gilt, die kommenden noch guten Jahre zu nutzen und die Zeit nicht einfach verstreichen zu lassen. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Foto: Pixabay RitaE
****************************************
Wenn Sie meinen Newsletter bestellen wollen, können Sie das hier tun. Dann verpassen Sie keinen neuen Artikel mehr. Kostenlos, unverbindlich und jederzeit auch wieder abzubestellen. Rechts oben ist das Formular. Emailadresse eintragen und fertig.
von Ursula Kraemer | Apr. 7, 2013 | Lebensgestaltung, Menschen
Öfter mal was Neues. Hand aufs Herz – an was haben Sie gedacht, als die Überschrift dieses Artikels lasen? An einen Seitensprung? Das ist zwar eine Möglichkeit, sich wieder zu spüren, lebendig zu sein und das Gefühl zu haben, begehrt zu werden. Übrig bleiben am Ende aber oft nur eine Menge Lügen, viele Tränen und zwei zerbrochene Beziehungen. Zumindest aber zerstörtes Vertrauen, das nur mühsam wieder aufgebaut werden kann. Werfen Sie deshalb lieber nicht vorschnell die Flinte ins Korn, wenn Sie in Ihrer Partnerschaft nicht mehr zufrieden sind. Sondern gönnen Sie Ihrer in die Jahre gekommenen Beziehung eine Verjüngungskur. Bringen Sie neuen Schwung hinein durch neue Ideen.
Rituale und Gewohnheiten
Rituale und Gewohnheiten tun gut, sie machen das Zusammenleben leichter und sie schaffen eine vertraute Verbindung zwischen Menschen. Sie sind wie ein Geländer, das Stütze und Sicherheit gibt. Viele Dinge im Alltag sind klar geregelt, man muss nicht darüber diskutieren, was man tut und wie. Es braucht keine Verhandlungen und nicht ständig neue Entscheidungen. Beide Partner wissen, woran sie sind.
Doch ein zu viel an Gewohnheit lähmt. Wenn alles nach dem gleichen Muster abläuft, wenn es keine Überraschungen mehr gibt, erstickt die Beziehung im Einerlei. Dabei ist es gleich, ob es sich um die Zutaten zum Frühstück handelt, um den Ablauf des Wochenendes oder die Begegnungen in der Liebe.
Vergnügen in der Vergangenheit
Was haben Sie früher gerne miteinander gemacht? Was hat Sie in Ihrer ersten Zeit als Paar verbunden? Was ist schon lange in Vergessenheit geraten? Ist zugedeckt worden durch die Aufgaben in der Kindererziehung, die Verpflichtungen im Beruf? Graben Sie Ihre Erinnerungen aus und holen sie diese Aktivitäten wieder in ihr Leben.
Gehen Sie tanzen, machen sie ein Picknick am See (auch wenn sie zuhause einen Balkon oder eine Garten haben!), überraschen Sie einander mit Eintrittskarten zu einem Oldie-Konzert oder zu einem Film.
Die Sache mit dem Wunschgefäß
Gerade Paare, die schon lange zusammenleben, sind oft festgefahren. Sie glauben zu wissen, was der andere mag und was nicht. Und unternehmen nur noch das, von dem sie annehmen, dass es beim anderen auf Gegenliebe stößt. Mit der Zeit reduzieren sie sich beide freiwillig und doch unbewusst auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.
Dabei hat wohl jeder Wünsche und Träume, die vor lauter Rücksicht auf den anderen unausgesprochen bleiben. Ein Bad im See bei Mondschein? Sex vor dem Kaminofen? Ein gemütlicher Abend ohne Kinder oder gar ein Wochenende? Gemeinsam Sterne gucken in der Natur oder im Planetarium? Bei einem Fußballspiel zu zweit lauthals anfeuern?
Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, ihre Wünsche zu erforschen. Legen Sie sich kleine Zettel zurecht, für jeden in einer anderen Farbe. Schreiben Sie Ihre Ideen, wie Sie die Zeit mit Ihrem Partner gestalten wollen, auf diese kleinen Zettel. Diese falten Sie dann zweimal zusammen und deponieren Sie alle in einem schönen Gefäß, einer Vase sein oder auch einem hübschen Kästchen.
Einmal in der Woche ziehen Sie abwechselnd einen dieser Zettel, mal in der einen, mal in der anderen Farbe, und planen, wann in den nächsten Tagen Sie sich die Zeit für diesen Wunsch nehmen werden.
Vereinbaren Sie, dass Sie die Wünsche des anderen ohne Murren und ohne das Gesicht zu verziehen mitmachen. Lassen Sie sich ganz auf neue Erfahrungen ein, genauso wie Sie es sich wünschen, wenn Ihr eigener Wunsch an der Reihe ist.
Heute ist Dein Tag
Am Geburtstag sind wir am ehesten bereit, dem Partner, der Partnerin die Wahl für den Ablauf einen Tag zu überlassen. Bei Frauen passiert das vielleicht noch am Muttertag. Wie wäre es, regelmäßig solche Tage einzuplanen? So bekommt der eine die Möglichkeit zu gestalten, der andere ist vom Druck befreit, Vorschläge oder Pläne zu machen.
Ich erinnere mich, wie wir in der Familie zu Beginn der großen Ferien ein großes Plakat genommen haben, und jeder sagen durfte, was er gerne in dieser freien Zeit mit den anderen erleben wollte. Jedes Familienmitglied hatte seine eigene Stiftfarbe, mit der die Wünsche auf dem Plakat notiert wurde. Bei fünf Personen kam eine lange Liste zusammen.
Nach dem Frühstück, wenn der vor uns liegende Tag geplant werden sollte, half ein Blick auf die Liste. Wir wählten eine dieser Ideen aus und sorgten dafür, dass jeder an die Reihe kam. Da alle in der Familie berücksichtigt wurden, kam entstand buntes Programm.
Ähnliches können Sie auch in einer Partnerschaft tun. Die Liste wird dann zwar nicht zu so lang wie in einer mehrköpfigen Familie, sie kann aber auch jederzeit erweitert und fortgeführt werden. Ich bin mir sicher, dass in dem Augenblick, in dem Sie darüber nachdenken, wie Sie mit Ihrem Partner Zeit verbringen könnten, Ihnen neue Ideen kommen, wenn Sie die Zeitung lesen, unterwegs Plakate unterwegs oder mit Bekannten reden.
Überraschen Sie einander
Es ist langweilig, wenn man immer schon weiß, etwas als Nächstes kommt oder wenn der andere nur dann aktiv wird, wenn Überraschungen „eingefordert“ werden („Du könntest auch mal das Kinoprogramm studieren und einen Vorschlag machen“).
Ergreifen Sie die Initiative. Besorgen Sie Tischtennisschläger und erkundigen sich, wo die nächste Platte steht. Stellen Sie eine CD mit Tanzmusik zusammen, rollen Sie den Teppich weg und schwingen Sie das Tanzbein im Zimmer. Decken Sie den Tisch auf eine besonders schöne, romantische Weise und kochen Sie das Essen ihrer ersten Stunde. Planen Sie einen Wochenendausflug mit der Bahn und kaufen dafür das Landesticket.
Manches, was Sie ausprobieren, wird vielleicht häufiger Platz in Ihrem Alltag finden. Anderes wiederum werden Sie als einmalige Aktion in Erinnerung behalten. Auf jeden Fall aber werden Sie neue Interessen entdecken und sicher auch unbekannte Facetten an sich selbst oder am anderen. Sie werden neuen Gesprächsstoff haben und garantiert mehr Lebendigkeit und Schwung in Ihrer Beziehung.
****************************************
Wenn Sie meinen Newsletter bestellen wollen, können Sie das hier tun. Dann verpassen Sie keinen neuen Artikel mehr. Kostenlos, unverbindlich und jederzeit auch wieder abzubestellen. Rechts oben ist das Formular. Emailadresse eintragen und fertig.
Foto Pixabay andreahamilton264
von Ursula Kraemer | Juli 31, 2012 | Menschen
Eine gelingende Beziehung braucht Nähe und Distanz. Frischverliebte haben nur noch Augen und Ohren füreinander. Sie tauchen ab und sind für Freunde nicht mehr zu sprechen. Sie wollen jede Minute miteinander verbringen und können kaum die Hände voneinander lassen. Langjährige Paare wiederum wissen oft gar nicht mehr, warum sie überhaupt noch eine Wohnung miteinander teilen. Die richtige Balance zu finden zwischen Nähe und Distanz und sie ständig neu auszutarieren, ist eine Herausforderung für jedes Paar, egal in welcher Phase der Beziehung es sich befindet.
Äußere Nähe
Der Traum der meisten Paare ist die gemeinsame Wohnung. In diesem Nest der Zweisamkeit kann ungestört gelebt, gekocht und gelacht werden. Niemand stößt sich daran, wenn ganze Abende auf dem Sofa gekuschelt und der Sonntag bis zum Nachmittag im Bett verbracht wird. Das Beisammensein wird in vollen Zügen genossen: Man steht gemeinsam im Bad und erledigt die Morgentoilette und in manchen Fällen sogar das kleine oder große Geschäft auf der Toilette. Schließlich gehören wir jetzt zusammen.
Doch so viel Nähe ist nicht jedermanns Sache. Ein Partner möchte vielleicht etwas mehr Intimität und ist nicht bereit, alles zu teilen. Ihm fehlt der Rückzugsort in der gemeinsamen Wohnung. Ein Platz, an dem er allein sein kann, in Ruhe nachdenken, lesen, entspannen oder auch telefonieren kann.
Innere Nähe
Wer seinen Partner, seine Partnerin an den eigenen Wünschen, Träumen, aber auch seinen Ängsten teilhaben lässt, erzeugt seelische Nähe. Bleiben solche Themen der Beziehung vorbe- halten, wird dieses Sich-Öffnen zu einem starken Band, das die Beziehung zusammenhält.
Wer wesentliche Bereiche seines Lebens ausklammert, sein früheres Leben tabuisiert oder persönliche Sorgen lieber für sich behält, vergrößert die Distanz. Genauso wie derjenige, der am Leben, den Hobbys und Freunden seiner Partnerin/ seines Partners kein Interesse zeigt.
Ihre Wünsche – seine Wünsche
Schön wäre es, wenn die Bedürfnisse nach Nähe und Distanz in einer Partnerschaft ausgewogen sein könnten. Doch meist sind die Vorstellungen von ‚richtiger‘ Nähe und Distanz unterschied- lich. Spannungen in der Beziehung sind die Folge. Jeder Mensch hat sein eigenes Maß. Frauen wünschen sich oft mehr Nähe, während Männer ihre Freiheit und Eigenständigkeit schätzen und verteidigen. Erfahrungen in der Kindheit prägen ebenso wie Altlasten aus früheren Beziehungen.
Auch im Laufe einer Partnerschaft ändern sich die Wünsche nach Nähe und Abstand. Mal fühlt man sich mehr verbunden, mal weniger. In der Regel ist das kein Grund zur Sorge. Unbearbeitete Kränkungen und Enttäuschungen allerdings vergrößern auf Dauer die Distanz, positive Erlebnisse, gute Kommunikation und gemeinsames Lachen bringen mehr Nähe. Wichtig ist, achtsam zu sein und negativen Entwicklungen frühzeitig entgegenzusteuern.
Ein Zuviel schadet
„Ich kann ohne dich nicht leben, ich brauche dich!“ Was wie eine Liebeserklärung klingt, ist in Wirklichkeit eine Fessel. Es ist der Versuch, den anderen auf Dauer fest an sich zu binden. Eifersüchtig wird der Alltag des anderen überwacht durch ständiges Hinterhertelefonieren, mit laufenden SMS „wo bist du gerade?“ oder mit der Frage „Was denkst du?“ Wer klammert, den Partner keinen Schritt mehr alleine machen lässt, nimmt ihm die Luft. Wer zu viel Nähe fordert, erreicht oft das Gegenteil: Der Partner flieht. Die Liebe ist ein Kind der Freiheit.
Stellen Sie sich vor, Sie sind mit einem Gummiband mit dem Partner verbunden: Sie sollten beide die Verbindung spüren, doch sich dadurch nicht einengt fühlen. Wer dem anderen Raum lässt, macht es ihm möglich, zu kommen, freiwillig. Wer zu stark am Band zieht oder es zu kurz hält, schlägt den anderen in die Flucht.
Unterschiedliche Bedürfnisse in Einklang bringen
Eine gelingende Partnerschaft braucht Nähe und Austausch. Auch wenn es möglich ist, über längere Zeit per Telefon und Mail in Kontakt zu bleiben, sind doch persönliche Begegnungen nötig, die durch gemeinsame Unternehmungen, ein Stück Alltag und körperliche Berührungen das Gefühl von Zusammengehörigkeit und Übereinstimmung stärken.
Persönliche Entwicklung und Selbstentfaltung braucht Abstand und Zeit. Zeit, sich den eigenen Freunden und Interessen zu widmen oder auch nur, um sich zurückzuziehen, wieder zu sich selbst zu finden. Ein Rückzugswunsch ist ein Grundbedürfnis und bedeutet nicht, dass die Beziehung in Frage gestellt wird. Diejenigen, die kreativ schaffen, brauchen diesen Freiraum ganz besonders.
Doch ziehen Sie sich nicht wortlos zurück und werden Sie nicht ungehalten, wenn der Partner Ihre Bedürfnisse nicht von alleine erkennt. Kommunizieren Sie klar, was Sie sich wünschen.
Sprechen Sie mit Ihrem Partner/ Ihrer Partnerin über Ihre persönlichen Bedürfnisse und treffen Sie Vereinbarungen:
- Darf ich allein sein wollen, ohne dass du dich zurückgestoßen fühlst oder gekränkt bist?
- Welchen Rückzugsort gibt es für jeden von uns?
- Wie viel Nähe brauche ich, was ist mir zu viel?
- Welche Ängste sind mit großer Nähe, großer Distanz für mich verbunden?
- Bin ich bereit, deine Wünsche zu respektieren?
- Können wir gemeinsame Zeiten für Nähe und Distanz vereinbaren?
- Können wir Signale finden, wann wir uns Nähe oder Abstand wünschen?
Klarheit in diesen Fragen trägt viel zur Stabilität und guten Atmosphäre in einer Partnerschaft bei. Auch in Beziehungen, die in die Jahre gekommen sind. Es ist nie zu spät. :-)
****************************************
Wenn Sie meinen Newsletter bestellen wollen, können Sie das hier tun. Dann verpassen Sie keinen neuen Artikel mehr. Kostenlos, unverbindlich und jederzeit auch wieder abzubestellen. Rechts oben ist das Formular. Emailadresse eintragen und fertig.
Foto Pixabay NoName_13
von Ursula Kraemer | Mai 22, 2012 | Lebensgestaltung, Menschen
Paarzeit und Alleingang – ist das Geheimnis einer guten Beziehung.

Als Karin ihren zukünftigen Ehemann Klaus kennenlernte, waren beide ein Herz und eine Seele. Jede freie Minute wollten sie miteinander verbringen. Und so begleitete Karin ihren Klaus zum Fußballplatz und Klaus zog freiwillig jeden Samstagabend mit Karin los zum Tanzen. Doch irgendwann, ganz allmählich, wurden die gemeinsamen Unternehmungen weniger. Bis schließlich jeder seinen Hobbys alleine frönte. „Ich bin drei Abende in der Woche weg und du auch, wo bleibt denn da die Gemeinsamkeit?“ beklagte sich Karin eines Tages.
Beziehungszeit ändert sich
Spätestens wenn ein Paar Eltern wird, bleibt weniger Zeit für gemeinsame Unternehmungen. Wenn es gut läuft, wird das Kind abwechselnd betreut und einer verschafft dem anderen den Freiraum für den geliebten Sport oder das Glas Bier unter Freunden. Auch die Konzentration auf die Karriere lässt die zur Verfügung stehende Zeit schmelzen. Überstunden schmälern die Stunden zu Hause, berufliche Termine erhalten höchste Priorität, Privates wird mit leichter Hand verschoben. So ist die Gefahr ist groß, dass man sich aus den Augen verliert. Und schließlich weiß man nicht mehr, was den Partner/die Partnerin interessiert und beschäftigt. Mit einem festen regelmäßigen gemeinsamen Abend, einem kinderlosen Wochenende oder einem Kurzurlaub lässt sich dieser Entwicklung vorbeugen.
Neue Ziele nach der Elternzeit
Eine neue Phase bricht an, wenn die Kinder flügge geworden sind und das elterliche Nest verlassen. Jetzt ist es an der Zeit, sich als Paar zusammenzusetzen und gemeinsam herauszufinden, worauf sich die Aufmerksamkeit in Zukunft richten soll. Es braucht ein neues Projekt, ein neues Ziel. Hierin liegt die Chance, der Partnerschaft wieder Schwung zu verleihen.
Und spätestens beim Eintritt in den Ruhestand müssen die Weichen noch einmal neu gestellt werden. Es ist weder gut, immer zusammen zu kleben wie die Kletten noch ständig eigene Wege zu gehen. Für eine stabile und glückliche Beziehung ist beides nötig: Zeit des gemeinsamen Erlebens und Zeit für sich selbst.
Eines aber sollte besonders in der Lebensphase 50plus bedacht werden: Es ist nicht gut und sinnvoll, sich nur für weite Reisen, körperliche anstrengende Betätigungen oder kostspielige Unternehmungen zu begeistern. Es braucht für die späteren Jahre auch Hobbys, die auch dann noch ausgeübt werden können, wenn gesundheitliche Beeinträchtigungen und knappere finanzielle Mittel einschränken.
Gemeinsamkeit beflügelt
Die Paare, die ein gemeinsames Hobby pflegen oder die sich zusammen für eine Sache engagieren, genießen die Zweisamkeit anders als wenn sie passiv das Fernsehprogramm konsumieren. Das gemeinsame Erleben beflügelt die Beziehung, die Freude an Gespräch und Austausch verbindet. Man lernt sich von einer neuen Seite kennen, vor allem dann, wenn noch andere Menschen, wie in einem Club oder Verein, mit von der Partie sind.
Auch der Alleingang hat seine Vorzüge
Neuen Gesprächsstoff und damit besondere Anregungen für die Beziehung bringt derjenige nach Hause, der im Alleingang etwas unternimmt. Er/sie kann eigene Vorlieben und Interessen pflegen und muss sich nicht auf das beschränken, was auch den Partner interessiert. Denn wer darauf verzichtet, die eigenen Potenziale zu entwickeln und persönliche Hobbys zu pflegen, wird auf Dauer unzufrieden.
Auch ist es wenig förderlich, den Freundeskreis allein darauf auszurichten, ob beide Partner sich dort wohlfühlen, noch sich zu einem Zusammensein zu zwingen, wenn das nicht der Fall ist. Dies verdirbt nicht nur dem Partner die Laune, es ist auch schade um die eigene Zeit, wenn man sie mit Menschen verbringt, die einem wenig geben.
Wie Sie zu Absprachen finden
Setzen Sie sich hin, jeder für sich, und notieren Sie
- Welche Hobbys möchte ich in Zukunft pflegen und für welche neuen Themen interessiere ich mich?
- Was davon möchte ich gerne alleine/ was mit dem Partner/ der Partnerin unternehmen?
- Welche neuen gemeinsamen Themen fallen mir ein?
- Wieviel Freiraum wünsche ich mir und wieviel gestehe ich meinem Partner zu?
Anschließend sprechen Sie über Ihre Wünsche und Bedürfnisse, vergleichen Ihre Listen und treffen so Vereinbarungen, die für beide stimmig sind.
Und: Solche Absprachen sind nicht in Stein gemeißelt; sie können immer wieder neu ausgehandelt werden, wenn deutlich wird, dass sie nicht mehr passen.
Ein Gedicht zum Abschluss
Von der Ehe
Ihr wurdet zusammen geboren,
und ihr werdet auf immer zusammen sein.
Ihr werdet zusammen sein,
wenn die weißen Flügel des Todes eure Tage scheiden.
Ja, ihr werdet selbst im stummen Gedenken Gottes zusammen sein.
Aber lasst Raum zwischen euch.
Und lasst die Winde des Himmels zwischen euch tanzen.
Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel:
Lasst sie eher ein wogendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein.
Füllt einander den Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher.
Gebt einander von eurem Brot, aber esst nicht vom selben Laib.
Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst jeden von euch allein sein,
So wie die Saiten einer Laute allein sind und doch von derselben Musik erzittern.
Gebt eure Herzen, aber nicht in des anderen Obhut.
Denn nur die Hand des Lebens kann eure Herzen umfassen.
Und steht zusammen, doch nicht zu nah:
Denn die Säulen des Tempels stehen für sich,
Und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen.
Khalil Gibran
****************************************
Wenn Sie meinen Newsletter bestellen wollen, können Sie das hier tun. Dann verpassen Sie keinen neuen Artikel mehr. Kostenlos, unverbindlich und jederzeit auch wieder abzubestellen. Rechts oben ist das Formular. Emailadresse eintragen und fertig.
Foto Pixabay ArtTower
Khalil Gibran